Anna loves Strauss

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Februar 1967

 „An der schönen blauen Donau“
Die zweite österreichische Hymne

Zu Beginn des Jahres 1867 war die Stimmung in Wien gedrückt. Der angesehene Wiener Männergesang-Verein wollte deshalb mit seinem traditionellen Ball dazu beitragen, die Lebenslust wieder zu erwecken und ersuchte daher sein Mitglied, Johann Strauß, für dieses Fest einen „gut singbaren Chorwalzer“ zu schreiben. Am 15. Februar 1867 wurde der von Johann Strauß dem Wiener Männergesangverein gewidmete Walzer anlässlich seiner tradiUonellen Faschingsliedertafel in den Diana-Sälen in Wien uraufgeführt.

Pressenachrichten:

Die Wiener Zeitung vom 17. Feb. 1867 berichtet über die Uraufführung des Donauwalzers:

„Die besten Beiträge lieferte die zweite Abteilung. ‚An der schönen blauen Donau‘, Walzer für Chor und Orchester von Johann Strauß, schlug zündend ein. Das ist aber auch ein echter, guter Strauß, voll jener beschwingenden und anheimelnden Weisen, wie sie eben nur ‚an der schönen blauen Donau‘ gedeihen.“

Eduard Hanslick lobte den Walzer: „Neben der Volkshymne von Vater Haydn haben wir in Strauß‘ ‚Schöner blauer Donau‘ eine andere Volkshymne.“

Das Autograph mit dem Incipit des Donauwalzers von Johannes Brahms auf einem Ballfächer: „Leider nicht von Johannes Brahms“ zeigt dessen Wertschätzung.

Neue Freie Presse. MorgenblaM. Wien, Sonntag, 4. Juni 1899. S. 1

„Wir erinnern uns: Vor dem Hause eines großen Wiener Musikverlegers sahen wir einmal… ganze Berge von Kisten aufgethürmt…,jede mit Exemplaren der „Schönen blauen Donau“ vollgefüllt. Das ging alles über den Ocean hinüber, nach Amerika…und drüben erzählten sie den Leuten wunderliebliche Märchen von der Stadt am Donaustrande.“

Neue Freie Presse. MorgenblaM. Wien, Montag, 5. Juni 1899. S. 4
In einem Brief an den Textdichter Gernerth schrieb Strauß über seinen „Donau“-Walzer: „er sei über die beabsichIgte That entzückt, doch verdiene der alte, bereits verschollene Walzer nicht, von poeIscher Feder verherrlicht zu werden, und er könne nicht umhin, zu gestehen, daß dieser Gedanke beschämend auf sein Inneres wirke.“
„und heute noch erklingen diese Weisen als immer frisches Wahreichen der heiteren, liebenswürdigen Wiener Tonmuse, und so wenig der Radetzky-Marsch…veralten wird, ebenso gewiß wird auch Wien noch in späteren GeneraIonen den Donauwalzer…mit Dank und Freude als ein unvergängliches Denkmal eines seiner genialsten Söhne begrüßen.“

Neuigkeits-Welt-BlaM. Wien, MiMwoch, 3. Jänner 1940. S. 7
Unter der Leitung von Clemens Kraus musizierten die Wiener Philharmoniker am Silvestertag 1939 ausschließlich Werke „unseres Walzerkönigs…Wiederholungen wurden mit zähem Beifall erzwungen und…noch die Wiener Walzerhymne als krönender Abschluß draufgegeben. Walzerseligkeit von Johann Strauß!“

Die Wiener Philharmoniker und der Walzer „An der schönen blauen Donau“

War der Titel „An der schönen blauen Donau“ nur Zufall, oder war der Donauwalzer nicht doch eine Programmmusik? Das gleitende Wasser im Spiel, das sich aus dem Dreiklang entwickelt, um davon zu fließen? Wenn man die Titel der Johann Strauß Walzer vertauscht – die meisten tragen den Titel nur als Unterscheidungsbehelf -, bleiben sie, was sie sind, einzigartige Musik.

Aufführungen des Donauwalzers: aus Wiener Philharmoniker 1842-1942 Statistik. Hedwig Kraus. Karl Schreinzer. UE. Wien. 1942

1873: Dirigent: Johann Strauß
Abonnement-Konzert.: 1925 (2mal)
Außerordentliche Konzerte: 1925, 1926, 1928, 1929, 1932
AuswärUge Konzerte:
1922 Buenos Aires
1925 Berlin, Magdeburg, Darmstadt, Baden-Baden, Mannheim, München
1927 Frankfurt a.M.
1928 Paris
1929 Salzburg
1930 London-Paris
1932 Salzburg
1933 Rom
1934 London
1935 Antwerpen, Brüssel, Genf, Salzburg
1938 München, Ludwigshafen, Kaiserslautern Saarbrücken
1939 München
1940 Essen, Wuppertal, Düsseldorf, Mayen, Duisburg, Krefeld, Ludwigshafen, Krakau, Salins les bains, Besancon, Dijon
1941 München
Rundfunk Konzerte: 1927 (2mal), 1928, 1929, 1933, 1938 (2mal), 1940
Sonstige Konzerte: 1894, 1910, 1921 (2mal), 1922, 1925 (2mal), 1933, 1935 (2mal), 1936

1867 sprach nichts dafür, dass „An der schönen blauen Donau“ der größte Erfolg werden würde, der in der Musikgeschichte einem Tonstück zuteilwurde. Ein halbes Jahr nach seiner Uraufführung gehen Kisten, gefüllt mit der „Blauen Donau“ in die ganze Welt hinaus.
Heute gehörte der „Donauwalzer“ zum Pflichtstück bei jedem Neujahrs-Konzert, wie auch nach jedem Tournee-Konzert. Da die allgemeine Begeisterung diese österreichische Hymne als Zugabe erzwingt, wird er von den Orchestern von vornherein nicht auf das Programm gesetzt.

Den gleichen Erfolg beansprucht Johann Strauß Vaters Radetzky-Marsch, welcher stets den krönenden Abschluss eines patrioUschen Österreichs-Konzertes bildet.

Immer wieder: „An der schönen blauen Donau“

14. Juni 1955. Eröffnung des Ringturmes. Festkonzert im Wiener Musikverein. Zum Abschluss erklingt der Walzer „An der schönen blauen Donau“, in der Chor- Orchesterfassung vorgetragen vom Wiener Männergesang-Verein und den Wiener Symphonikern unter der Leitung von Karl Ev.

20. Oktober 1957. 75-Jahr Feier des Sängerbundes der Bäcker Wien. Festkonzert im Großen Musikvereinssaal. Am Ende des Konzertes wird der Donauwalzer in der Fassung Männerchor und Orchester intoniert. Leitung: Ehrenchormeister Franz Geißlar.

Zum 150. Geburtstag von Johann Strauß am 25. Oktober 1975

Trauergottesdienst von Helmut ZILK am 7. November 2008 im Stephansdom zu Wien. Geendet hat das Requiem mit dem Johann Strauß Walzer „An der schönen blauen Donau“.

Danach erklang die Pummerin.