Anna loves Strauss

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3. Juni. 1899 – J. Strauß Tod und Begräbnisfeier                                                                                                                                 im Spiegel der Presse     

Neue Freie Presse. Morgenblatt. Wien, Sonntag, 4. Juni 1899. S. 1

„Johann Strauß…ein Name, welcher den Ruf dieser Stadt auf tönenden Schwingen durch die ganze Welt zu tragen pflegte. Wo man von Wien sprach, dachte man im Stillen oder im lauten Gespräch an Wiens musikalischen Dolmetsch, den Walzerkönig, und  wenn auf irgend einem Punkte dieser Erde seine Weisen gespielt wurden, erschien vor dem geistigen Auge der Zuhörer der Schattenriß der alten Kaiserstadt…Strauß und Wien, Wien und Strauß – eine Zweieinigkeit, wie man sie vollkommener sich nicht denken kann, harmonisch gleich Tonica und Dominante.“ „Laßt uns trauern: Johann Strauß ging dahin, und wir werden seinesgleichen nicht mehr sehen.“

Neue Freie Presse. Morgenblatt. Wien, Montag, 5. Juni 1899. S. 4

Strauß wurde im Billardsalon aufgebahrt. Es wurde ein Kranz der Stadt Wien überbracht dessen rot-weißen  Bandschleifen die Inschrift trugen: „Die k.k. Reichshaupt- und Residenzstadt Wien.“  Der Bürgermeister hatte an die Witwe Strauß ein Kondolenzschreiben gerichtet, worin es u.a. hieß: „Der Name des Meisters wird untrennbar verbunden bleiben mit dem Musikleben unserer Stadt, welche dem Verewigten ein unvergängliches dankbares Andenken bewahren wird.“

Neue Freie Presse. Morgenblatt. Wien, Dienstag, 6. Juni 1899. S. 6

Die Wiener nahmen Abschied von Johann Strauß und der Journalisten-Verein Concordia richtete an die Witwe seines Ehrenmitgliedes folgendes Schreiben: „Wien widerhallt von dem schmerzlichen Todesrufe…In die Trauer um seinen Verlust mischt sich aber der Stolz, daß sein Genius den Ruhm unserer liederfrohen Vaterstadt weit hinaustrug in alle Länder der bewohnten Erde. Johann Strauß war unser! Mit gerechtem Stolze wiederholt es jeder Oesterreicher, weiß es jeder Wiener!“

Neue Freie Presse. Morgenblatt. Wien, Mittwoch, 7. Juni 1899. S. 5f

Auf dem Zentral-Friedhof wurde der Sarg in die Reihe der Ehrengräber getragen, „welche den todten Heroen aus Oesterreichs Musikwelt als letzte Ruhestätte dienen“. An der offenen Gruft dankte Bürgermeister Dr. Lueger dem Toten, „daß er durch seine Compositionen den Ruf Wiens weit hinausgetragen; er fügte im Namen der Wiener das Versprechen bei, daß Johann Strauß in Wien nie vergessen werden solle.“

Die Vorlesung an der Universität verwendete Professor Dr. Guido Adler zu einer Gedenkrede auf Johann Strauß: „Die Weisen von Strauß befestigen das Heimatgefühl des Wieners, des Oesterreichers…Sie sind das musikalische Spiegelbild der Wiener Volksseele. In seinen Melodien liegt die Einigung der Völker Oesterreichs.“