Anna loves Strauss

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1. Mai – 2. November 1873: Weltausstellung in Wien
Festkonzert der Strauß-Kapelle

Schon vor der Eröffnung der ersten Weltausstellung im deutschsprachigen Ram feierte die Strauß-Kapelle das 50jährige Jubiläum von Vater Strauß. Am 6. April 1823 spielte Johann Strauß Vater zum ersten Mal mit Joseph Lanner und einem Gitarristen in einem Kaffeehaus in der Leopoldstadt. Am 6. April 1873 feierten die Strauß‘ Söhne den 50. Jubeltag  ihres Vaters im Musikverein. 

Als Erstaufführung bot Johann Strauß die Polka schnell „Vom Donaustrande“ nach Motiven der Operette „Der Carneval in Rom“ op.356

Werbeeinschaltung im Neuen Fremden-Blatt, Sonntag, 6. April 1873

Festkonzert der chinesischen Weltausstellungs-Commission

Arrangiert hatte das Konzert am 4. November 1983 im Goldenen Saal J. v. Herbeck. Der Abend sollte einen österreichischen Charakter tragen, weshalb neben den Wiener Klassikern auch Werke von Lanner und Strauß aufgeführt wurden. Mitwirkend waren das Orchester des Hofoperntheaters, der Wiener Männergesang-Verein, als Dirigenten traten Herbeck, Dessof und Johann Strauß auf. Es war das erste und einzig Mal, dass Strauß das Hofopernorchester – die späteren Wiener Philharmoniker – leitete und es war auch das erste Mal, dass die Philharmoniker den Walzer An der schönen blauen Donau intonierten. 

Eduard Hanslik schrieb in Neuen Freie Presse. Morgenblatt. 8. Nov. 1873. S.1f                                                                                    

„Festconcert am 4. November. Es galt an diesem Abend mit Pomp aufzutischen, was gut und theuer ist; … es glänzten darin die Namen Haydn, Beethoven, Schubert, Lanner und Strauß: … Völlig aufgethaut fanden wird die Versammlung erst bei den Klängen von Strauß und Lanner … Johann Strauß dirigirte (mit dem Tactstab)…seine eigenen Donau-Walzer. Da bewegten sich rhythmisch die bereits etwas schlaftrunken gesenkten Häupter, und fröhlich zuckten die Füßchen…. Seinen größten Triumpf hat Strauß doch in neuester Zeit mit einer Walzerpartie gefeiert, welche wieder zu der volksthümnlichen, gemüthlichen Weise seines Vaters und Lanner’s zurücklenkte: „An der schönen blauen Donau“ (1866). Es braucht nur irgendwo das Anfangsmotiv graziös auf den drei Staffeln des D-Dur-Dreiklangs emporzusteigen, so ruft und klatscht schon Alles vor Vergnügen. Die Donau-Walzer von Strauß haben aber nicht blos eine beispiellose Popularität, sie haben eine ganz merkwürdige Bedeutung erlangt, die Bedeutung eines Citates, eines Schlagwortes für Alles, was es Schönes, Liebes, Lustiges in Wien gibt. Sie sind dem Österreicher nicht blos schöne Walzer wie andere, sondern ein patriotisches Volkslied ohne Worte. Neben der Volkshymne von Vater Haydn…haben wir in Strauß’ “Schöner blauer Donau” eine andere Volkshymne, welche unser Land und Volk besingt. Wo immer in weiter Ferne Wiener sich zusammenfinden, da ist diese wortlose Friedens-Marseillaise ihr Bundeslied und Erkennungszeichen. Wo immer bei deinem Festmal der Toast auf Wien ausgebracht wird, fällt das Orchester sofort mit der „Schönen blauen Donau“ ein. Man kann sich das gar nicht mehr anders denken, denn diese uns Allen eingeprägte Melodie sagt deutlicher, eindringlicher und wärmer als alle Worte, was über das Thema „Wien“ Schmeichelhaftes gesagt werden kann…Und das ist die denkwürdige Bedeutung, welche diese Composition, jedem Volkslied zu Trotz, allmälig erlangt hat: ihre Melodie wirkt wie ein Citat, wie denn auch ihr Titel ein poetisches Citat ist.“

Auch das Abendblatt Die Presse vom 5. Nov. 1973. S.1f erwähnte das Festkonzert und zählte all die illustren adeligen Zuhörer auf. 

„Die letzten drei Nummern des Concertes waren den Matadoren der Wiener Tanzkunst gewidmet … Für Charakter und Stimmung des Publicums ist es wol bezeichnend, daß Strauß mit Applaus empfangen wurde …  den Schluß des Concertes bildete Josef (sic!) Strauß‘ Walzer ‚An der schönen blauen Donau‘. … So fand denn trotz alledem die Weltausstellung einen harmonischen Abschluß.“