Anna loves Strauss

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Johann Strauß – ein Wiener ?

Johann Strauß schuf zahllose Werke voll strahlendem Glanz. Wenn man die Titel oder Überschriften seiner Kompositionen vergleicht, wird man ein gewisses Serienverhältnis feststellen können. Wien, seine Heimat, verherrlichte er stets.

Johann Strauß Werke mit Titel Wien:

Op.7 Die jungen Wiener, Walzer
Bei seinem ersten Ball im Fasching 1845 wandte sich J. Strauß Sohn gezielt an die Wiener Jugend, an sein Publikum.

Op.77 Wiener Garnison-Marsch
Obwohl J. Strauß zeitlebens für das Kriegswesen keine Sympathie empfand, musste er sich der aktuellen Situation im Sommer 1850 anpassen.

Op.115 Wiener Jubel-Gruß-Marsch
Erst im Sommer 1852 konnte Kaiser Franz Joseph in seine Residenzstadt Wien einziehen. Am Stephansplatz begrüßte ihn J. Strauß mit seiner Kapelle.

Op.131 Wiener Punsch-Lieder (1853)
erinnern an ein Witzblatt unter der Bezeichnung Humorist und Wiener Punch.

Op.144 La Viennoise, Polka-Mazur (1854)
Die erste Mazurka von J. Strauß erinnert an die Einführung des „plumpen Bärentanzes“ in Wien.

Op.192 Wien, mein Sinn, Walzer
Beim Festbankett am 15. Oktober 1894 drückte J. Strauß seine Verbundenheit mit Wien aus: „Wenn es wahr ist, daß ich einiges Talent besitze, so verdanke ich diese Entwicklung meiner Heimatstadt Wien…“

Op.225 Gruß an Wien, Polka francaise
Im September 1859 hieß diese Polka in Pawlowsk „Au revoir“, im November in Wien trug sie J. Strauß als Novität mit neuem Titel vor.

Op.268 Wiener Chronik, Walzer (1862)
Gewidmet ist dieser Walzer im LändlersUl dem Wiener Chronisten Friedrich Uhl, dessen Beiträge in Zeitungen zu lesen waren.

Op.291 ‘s gibt nur a Kaiserstadt! ‘s gibt nur Wien
1864, beim Abschied aus Russland lautete der Titel „Vergiß mein nicht“. Als Kaiserstadt-Polka passte diese wienerische Huldigung an die Heimatstat besser.

Op.307 Wiener Bonbons, Walzer
Um ein Au_reten der Strauß Kapelle bei der Weltausstellung 1867 in Paris vorzubereiten, widmete der Walzerkönig die „Wiener Bonbons“ und die Polka Mazur „Pauline“ der FürsUn Pauline MeMernich, Gavn des österreichischen Botschafters in Paris.

Op.325 Geschichten aus dem Wienerwald
Als eines der Meisterwerke ist der Walzer ein Ausdruck der Heimatliebe, als die Donaumonarchie Österreich im Jahre 1866 im Krieg gegen Preußen ihren Rang als führende Großmacht verloren hatte.

Op.342 Neu-Wien, Walzer (1870)
Anlass waren die Pläne des Wiener Gemeinderates zur Einbeziehung der Vorstädte, wodurch die Wiener Bezirke zwei bis neun entstanden.

Op.354 Wiener Blut, Walzer (22. April 1873)
Uraufführung durch das Orchester der Hofoper unter der Leitung von J. Strauß im Wiener Musikverein. Das Wiener Tagblatt schrieb: „In diesem bald kecken, bald sentimentalen Dreivierteltakten rollt wirklich frisches, freies, echtes und rothes Wiener Blut.“

Op.361 Bei uns z’ Haus, Walzer
Im August 1873, im Jahr der Wiener Weltausstellung, dirigierte J. Strauß die Uraufführung dieses Walzers, von dem die Wiener Abendpost meinte: “Strauß‘ ‚Bei uns z’ Haus‘ gleicht seinem anderen Chorwalzer ‚An der schönen blauen Donau‘ und wird bald nicht nur bei uns z’ Haus bekannt werden, sondern auch in der ganzen Welt.“

Op.423 Wiener Frauen, Walzer
1887 ließ J. Strauß einen alten Walzer – „Les dames de St. Petersbourgh“, April 1886 – mit einem neuen Titel zum Concordia Ball präsentieren.

Op.440 Groß-Wien, Walzer
Die Entwicklung Wiens lässt sich auch am Werkverzeichnis von J. Strauß erkennen. 1862 schrieb J. Strauß die „Demolierer-Polka“, 1870 den Walzer „Neu-Wien“ und 1890, als man auch die Vororte zu Wien einbezog, den Walzer „Groß-Wien“. Am 10. Mai 1891 dirigierte der „schmächUg aussehende, kränkliche und bejahrte“ Johann Strauß die Uraufführung mit 500 Militärmusiker – keine geringe Anstrengung. Anwesend waren Franz Lehar (sen.), Alfons Czibulka, Karl Komzak, Carl Michael Ziehrer u.v.a. Militärkapellmeister., auch Johannes Brahms befand sich darunter.

Johann Strauß Werke mit Titel Wien Bezug:

Op.78 Heiligenstädter Rendez-vous-Polka

Op.83 Ottakringer Reiter-Marsch

Op.168 Leopoldstädter Polka

Op.336 Im Krapfenwald’l, Polka francaise

Op.360 Rotunde-Quadrille

Op.438 Rathausball-Tänze, Walzer

Johann Strauß Werke mit Titel Donau:

Op.314 An der schönen blauen Donau

Op.356 Vom Donaustrande, Polka

Op.427 Donauweibchen, Walzer

Johann Strauß – ein Österreicher ?

Johann Strauß Werke mit Titel Österreich:

Op.20 Austria-Marsch
1846 zu Ehren des Geburtstages von Kaiser Ferdinand rückten die beiden Bürgerregimenter Wiens aus. Das 1. unter der Leitung von J. Strauß Vater, das 2. unter der Stabführung von J. Strauß jun., der für diesen Anlass den Austria-Marsch komponierte.

Op.22 Die Oesterreicher, Walzer
Zum Katharinenball 1845 im Etablissement „Zum Sperl“ brachte der junge J. Strauß eine neue WalzerparUe im LändlersUl mit.

Op.359 Gruß aus Österreich, Polka-Mazur
Der Titel des Werkes bezieht sich wohl auf die Gäste, die im Juli 1873 in großer Anzahl die Kaiserstadt während der Weltausstellung frequentierten.

Op.371 Hoch Österreich!, Marsch
Aus Motiven der Operette Cagliostro in Wien arrangierte J. Strauß einen Marsch in Orchestervorsion als auch in einer Chorfassung für den Wiener Männergesang-Verein. Ob der Titel das Beste an diesem Marsch ist, sei dahingestellt.

Johann Strauß Werke mit Titel Österreich Bezug:

Op.30 Die Zillerthaler, Walzer

1845 uraufgeführt, beweist das Werk , dass J. Strauß auch mit der Volksmusik vertraut war.

OP.100 Vöslauer –Polka
Diese Polka ist eine prächtige musikalische Visitenkarte des Kurortes Bad Vöslau.

Op.172 Gedanken auf den Alpen, Walzer
Musikalische Eindrücke, die J. Strauß während seines Erholungsurlaubs in Badgastein erhielt.

Op.479 Klänge aus der Raimundzeit
Aus Anlass der Enthüllung des Ferdinand-Raimund- Denkmals, beschließt es das Werkverzeichnis von J. Strauß. Melodien aus seiner Jugendzeit und AbschiedsmoUve sind darin verwoben.

o.Op. Ischler-Walzer
Nachgelassener Walzer Nr. 1. Uraufführung am 18. Nov. 1900 ím Musikverein durch das Orchester des Wiener Concertvereins unter Karl Komzak.

o.Op. Vaterländischer Marsch (von Johann und Joseph Strauß)
1859 haMe die Donaumonarchie einen Krieg begonnen, an dessen Ende sie die Lombardei einbüßte. In Wien fühlte man sich mit den italienischen Kronländern verbunden. Bei einem Patrioten-Fest-Konzert „Zum Sperl“ wurde dieser Marsch mit Zitaten des Rákoczy-Marsches, des Radetzky-Marsches und zum Abschluss mit der Kaiserhymne effektvoll zum ersten Mal aufgeführt.

Johann Strauß – ein Kaisertreuer ?

Aus patriotischen Anlässen bzw. politischen Vorfällen entstanden:

Op.8 Patrioten-Marsch
Der patriotische Charakter eines Festes 1845 regte den 20-jährigen J. Strauß zur KomposiUon seines ersten Marsches an. Gestärkt durch ein posiUves Zeitungsecho, konnte J. Strauß Sohn den musikalischen Wettstreit mit seinem berühmten Vater aufnehmen.

Op.54 Revolutionsmarsch
1848 war das Jahr der Revolution in Wien. J. Strauß, in der Uniform des 2. Bürgerregiments, betätigte sich nicht als kühner Revolutionär, aber er stand zweifellos auf der Seite der Jugend und damit der Freiheit.

Op.55 Burschenlieder, Walzer
Der junge J. Strauß wurde der bevorzugte Kapellmeister der Revolutionäre. Für einen Ball der Studentenschaft schrieb Strauß eine Walzerpartie, in der er am Schluss sehr effektvoll das „Fuchslied“ – ein revolutionäres Lied – einwebte.

Op.56 Studenten-Marsch
Im Juni 1848 schrieb J. Strauß: „Mit Vergnügen war ich dem Wunsch mehrerer Herren Studierenden erbötig, das „Freiheitslied“ … als Studentenmarsch in Musik zu setzen…“

Op.57 Liguorianer-Seufzer
1848 war ein bevorzugtes Ziel der Volkswut das Kloster der Redemptoristen (Gründer war Alfonso Maia di Liguori), dessen Mitglieder Spitzeldienste für das Metternichsche System geleistet haMen. Den Liguorianern wurden häufig Katzenmusiken dargebracht und auch J. Strauß stellte sich im Juni 1848 mit einer Scherzpolka ein. „Kein Zweifel, daß die frommen Liguorianer über diese Profanierung seufzen werden … Ob die Polka gefallen hat? Natürlich, schon des Titels halber!“

Johann Strauß Werke mit Titel Habsburg/Kaiser Franz Joseph I. Bezug:

Op.67 Kaiser Franz Joseph-Marsch (1849)
Nach dem Sieg über die RevoluUon kehrte der 23jährige J. Strauß aus dem Lager der Rebellen in die Reihe der Patrioten zurück. Für den jungen Musikdirektor war es klar, dass er sofort seine Loyalität gegenüber dem jungen Kaiser demonstrieren musste.

Op. 93 Kaiserjäger-Marsch
1851 uraufgeführt, wurde der Marsch bald vergessen. J. Strauß galt eben als Walzer- und nicht als Marschkönig.

Op.96 Viribus unitis, Marsch
1851, zum 21. Geburtstag des Kaisers Franz Josephs unter dem Titel Viribus unitis, dem Wahlspruch des Kaisers, im k.k. Volksgarten uraufgeführt, sollten die Vorbehalte gegen ein Dirigat bei den Veranstaltungen am Kaiserhof verstummen.

Op.103 Vivat!, Quadrille (zur Namensfeier des Kaisers F.J. 1851)
Mit diesem feierlichen Gruß erhoffte J. Strauß eine Anerkennung durch den Kaiserhof. Sein beharrliches Bemühen war schon im Fasching 1852 erfolgreich, als J. Strauß in der Wiener Hofburg zum Tanz aufspielen durfte.

Op.115 Wiener Jubel-Gruß-Marsch
Im Sommer 1852 wagte Kaiser Franz Joseph die Rückkehr nach Wien. Zu seinem Empfang wurde ein Jubel-Fest befohlen, zu dem J. Strauß diese KomposiUon beisteuerte.

Op.116 Hofball-Quadrille
Im Jänner 1852 trat J. Strauß – neben Philipp Fahrbach – zum ersten Mal als Leiter der Ballmusik bei Hof auf. Allerdings musste er bis 1863 auf den Ehrentitel eines Hofball- Musikdirektors warten.

Op.126 Kaiser Franz Joseph I. Rettungs-Jubel-Marsch
1853, nach dem missglückten Attentat auf den Kaiser, ergab sich für J. Strauß die willkommene Gelegenheit, die Rettung des Monarchen auffällig – der patriotische Marsch endet mit der österreichischen Volkshymne – zu feiern.

Op.154 Myrthen-Kränze, Walzer (auch Elisabeths-Klänge)
1854, zur Vermählung Kaiser Franz Josephs mit Sisi geschrieben, wird in der Introduktion des Widmungswalzers die Hymne Österreichs mit der von Bayern verwoben.

Op.298 Hofballtänze, Walzer
Nachdem J. Strauß den Titel k.k. Hofball-Musikdirektor erhielt, komponierte er 1865 einen Walzer mit dem Titel Hofballtänze, wie vor ihm J. Strauß, Vater, Joseph Lanner und Phillip Fahrbach sen.

Op.408 Habsburg hoch!, Marsch
1882 feierte man die 600-jährige Vereinigung der österreichischen Kronländer unter Habsburg. In der Gelegenheitskomposition vermengte J. Strauß MoUve des Prinz Eugen- Liedes mit dem Radetzky-Marsch und der Kaiserhymne.

Op.434 Kaiser Jubiläum, Jubel-Walzer
Im Dez. 1888 zum 40. Jahrestag der Thronbesteigung Franz Josephs I. verfasst, geriet das Werk zugunsten des Kaiser Walzers bald in Vergessenheit. Strauß war damals schon ein Meister der OpereMe.

Op. 437 Kaiser Walzer
Der Walzer beginnt preußisch-kriegerisch, bekommt aber dann wieder den echt- wienerischen Schwung. 1889 wird der Walzer in Berlin uraufgeführt; am Titelblatt der Klavierausgabe wird jedoch die österreichische Kaiserkrone abgebildet. Heute gehört die imperiale Komposition der ganzen Welt.

Op. 470 Deutschmeister-Jubiläumsmarsch
Eine vergessene Gelegenheitskomposition, dem k.u.k. Infanterie-Regiment Hoch- und Deutschmeister Nr.4 zum 200. Jubiläum gewidmet.

Johann Strauß – ein Europäer ?

Johann Strauß Werke mit Titel Europa:

Op.13 Czechen-Polka
Op.14 Serben-Quadrille
Op.23 Pesther Csárdás
Op.24 Zigeuner-Quadrille
Op.39 Slaven-Potpourri
Op.50 Klänge aus der Walachei, Walzer
Op.58 Brünner Nationalgarde-Marsch
Op.84 Warschauer-Polka
Op.88 Slaven-Ball-Quadrille
Op.104 Windsor-Klänge, Walzer
Op.113 Sachsen-Kürassier-Marsch
Op.200 Souvenir de Nizza, Walzer
Op.203 Hellenen-Polka
Op.210 Abschied von St. Petersburg, Walzer
Op.238 Die Pariserin, Polka franciase
Op.255 St. Petersburg, Quadrille
Op.284 Deutscher Krieger-Marsch
Op.289 Marche Persanne
Op.329 Erinnerung an Covent-Garden, Walzer
Op. 332 Éljen a Magyar, Polka
Op.335 Egyptischer Marsch
OP.353 Russische Marsch-Fantasie
Op.355 Im russischen Dorfe, Fantasie
Op.366 An der Moldau, Polka francaise
Op.382 Pariser Polka
Op.390 Nordseebilder, Walzer
Op.407 Italienischer Walzer
Op.425 An der Wolga, Polka-Mazurka
Op.426 Russischer Marsch
Op.433 Spanischer Marsch
Op.444 Märchen aus dem Orient, Walzer
Op.477 An der Elbe, Walzer

Manche Titel von Johann Strauß stammten nur aus seinem Gehirn, waren Zufallsprodukte; originelle Titel verlangten stets die Verleger. Werke mit Titel Europa waren o_ nur Höflichkeitstitel, ohne nationaler Färbung. Viele Titel weisen auf ein Ereignis, auf eine Veranstaltung hin, manche bewirkten einen bestimmten Zweck, z.B. eine Auszeichnung für Johann Strauß. Selten vergriff sich J. Strauß beim Erfinden eines Werktitels, dann war er aber froh, dass diese Komposition rasch vergessen wurde.